Kein Ausprobieren, keine Aha-Momente

In der letzten Podcastfolge hat Claudia einen, wie ich finde, sehr wichtigen Satz gesagt: „Wenn man es nicht ausprobiert, weiß man nicht, ob es das ist, was man will.“ Eigentlich eine super simple Sache, in der Praxis gestaltet sich das Ausprobieren für uns dann aber irgendwie doch nicht so einfach. Warum eigentlich? Was hindert uns daran, uns für einen neuen Job zu bewerben, wenn uns doch der aktuelle unglücklich macht? Was hindert uns daran eine Businessidee, die wir in unserem Kopf bereits haarklein durchgeplant haben, in die Tat umzusetzen oder unser Hobby endlich zum Beruf zu machen?

Viel zu oft schieben wir Dinge, die uns im Kopf herumschwirren und die wir super gerne einmal ausprobieren wollen unnötig lange vor uns her. Es beginnt bereits bei Kleinigkeiten wie einen anderen Sportkurs ausprobieren, dem neuen Café um die Ecke einen Besuch abstatten oder einfach mal ganz verrückt, statt des alljährlichen All-Inklusive Urlaubs auf Malle einen Selbstversorger-Urlaub außerhalb des ganzen Touristen-Trubels zu buchen. Kurz gesagt: Wir bleiben lieber bei unseren alten Gewohnheiten.

Aber, wenn uns bereits die „kleinen“ Dinge so schwer fallen, was passiert dann erst mit den „großen“ Vorhaben?  Ideen wie beispielsweise eine Fortbildung zu machen, die einem im Job, wieder ganz neue Impulse liefern würde; die Hobbyfotografie, die einem innerlich viel mehr gibt, als der öde 9 to 5 Job, auf ein nächstes Level zu bringen, in dem man sich mit seiner Arbeit in den sozialen Medien sichtbar macht? Meistens sind diese „großen“ Dinge gar nicht mal so groß, aber wir selbst machen sie unnötigerweise zu etwas Großem, weil uns der Aufwand dafür so groß erscheint oder wir uns die Auswirkung dieses Schritts auf unser Leben als besonders groß ausmalen. So groß, dass es vielleicht sogar schon etwas angsteinflößend wirkt.

Was hindert uns daran Neues auszuprobieren?

Dazu habe ich bei Instagram mal ein paar Antworten gesammelt. Die ersten beiden Gründe wurden dabei ganz besonders häufig genannt.

  1. Das Fehlen finanzieller Mittel bzw. die fehlende finanzielle Absicherung (Podcast E01 mit Nina + Podcast E02 mit Isa)
  2. Die Meinung anderer und der Gedanke daran, was sie wohl denken könnten (Podcast E05 Magdalena + Podcast E06 Claudia)
  3. Die Scheu vor der Mühe und dem ganzen Aufwand, den man betreiben würde, ohne zu wissen, ob es sich wirklich lohnt (Podcast E04 mit Laura und Emma)
  4. Selbstzweifel, ob man das wirklich hinbekommt (Podcast E06 mit Claudia + Podcast E03 mit Kira)
  5. Keine Sicherheit und keine Ahnung, was als nächstes passieren wird und wie das Ganze ausgehen wird (Podcast E03 mit Kira)
  6. Angst davor, seine Zeit zu verschwenden und dafür dann eine andere Stelle im Leben zu vernachlässigen

Beim Schreiben dieses Artikels habe ich nun lange darüber nachgedacht, wie ich diesen Text hier aufbaue. Ich persönlich finde es immer wichtig als Leser nicht nur mit Infos und Fakten stehen gelassen zu werden, sondern eben auch alltagstaugliche und umsetzbare Lösungsvorschläge an die Hand zu bekommen. Gleichzeitig möchte ich hier aber gar nicht als Allwissende-Expertin fungieren und meine Lösungsvorschläge als die ultimative Antwort auf alles verkaufen, zumal es sich hierbei auch um Dinge handelt, die sich bei jeder Frau komplett individuell äußern und auch ganz individuelle Wurzeln haben. Ich möchte hier zu keinem der oben genannten ausschlaggebenden Gründe, fürs nicht Ausprobieren, Lösungen servieren, wenn ich sie nicht selbst bereits irgendwann einmal für mich persönlich aufgelöst habe. Das Gute ist, dass ich an dieser Stelle aber auf die persönlichen Geschichten und Erfahrungen der Frauen verweisen kann, die ich bereits für den Busy and Bold Podcast interviewen durfte (siehe Verweise in Klammern).

Ich habe aktuell das Gefühl, dass man von allen Seiten mit Werbung bombardiert wird, in der Leute einem ihre ultimative Lösung für Problem XY verkaufen wollen. Wie ich aber hier schon einmal geschrieben habe, finde ich, dass es weder die eine! Lösung gibt, noch gibt es eine Erfolgsschablone, die sich jede von uns überstülpen kann. Was für die eine funktioniert, muss noch lange nicht für einen selbst funktionieren. Viel realistischer und glaubwürdiger finde ich es, sich einfach mal verschiedene persönliche Erfahrungen zu einem bestimmten Thema anzuhören und sich dadurch inspirieren zu lassen. Es hilft bereits zu sehen, dass andere etwas vermeintlich Unmögliches geschafft haben, um dem Zweifler in sich zu zeigen, dass es eben doch möglich ist. Am Ende kann dann jeder selber entscheiden, welche Lösungen davon vielleicht auch gut zu einem selbst passen. In diesem Sinne folgen hier meine persönliche Herangehensweise und Erfahrung zum Thema „etwas ausprobieren, um zu wissen, ob es das ist, was man will“.

I love(d) Fashion

Ich dachte früher immer, ich werde später [wenn ich groß bin] auf jeden Fall was mit Mode machen. Seit ich denken kann, wollte ich Modedesignerin werden. Ich konnte es damals ehrlich gesagt überhaupt nicht nachvollziehen, dass meine Freundinnen, die auf mich denselben modeverrückten Eindruck machten, ganz andere Berufswünsche hatten. Nach dem Abi Modedesign zu studieren kam für mich aber nicht in Frage – aus vielen Gründen. Ich wollte auf keinen Fall, weder mir noch meinen Eltern einen 30.000€ Kredit aufbürden; ich bin davon ausgegangen, dass alle anderen, die sich dort bewerben viel talentierter sein würden als ich und ich sowieso keine Chance auf einen Platz bekommen würde und ich hatte damals den Glauben, dass man erst einem „vernünftigen“ Job nachgehen müsse bis man solch unvernünftige Jobträume verwirklichen dürfte.

Welchen „vernünftigen“ Job ich alternativ machen wollte, davon hatte ich keine Ahnung. Umso praktischer, dass hier in Flensburg im Studiengang Vermittlungswissenschaften das Studienfach Mode und Textil angeboten wurde. Also studierte ich das zusammen mit dem Fach Englisch. Hat mir auch super gut gefallen und beinhaltete zudem auch noch einen abwechslungsreichen Praxisteil. Anschließend wollte ich unbedingt mal etwas „echte“ Modewelt-Luft schnuppern und bewarb mich für Praktika bei verschiedenen Modemagazinen. Vergeblich. Ich bekam, wenn überhaupt, dann nur Absagen.

Irgendwann hatte ich keine Lust mehr zu warten. Zu warten, bis endlich mal ein Modemagazin mich für ein unbezahltes Praktikum bei sich auserkort. Kostenlos arbeiten kann ich ja auch für mich selbst, dachte ich mir. Also kaufte ich mir eine Kamera und startete meinen eigenen Modeblog. Es fühlte sich sogar wie ein Praktikum an, nur mit dem Unterschied, dass ich mir meine Aufgaben selbst erteilte und niemanden fragen konnte, ob ich eine Aufgabe „richtig“ ausgeführt habe. Ich genoss die Freiheit, den Content komplett selbst bestimmen zu können und jeden Tag etwas Neues dazuzulernen.

Nach einigen Monaten stellte ich fest: Irgendwie ist das auf Dauer nichts mehr für mich. In meinem Kopf drehte sich alles nur noch um Klamotten, Trends, Outfits, Schönheit, Schnäppchen. Kurzgefasst: Konsum. Es ist jetzt fast schon peinlich das zuzugeben, aber ich kaufte mir manche Teile nur, weil sie auf einem Foto bestimmt super ausschauen würden. Aus meinem Mode und Textil Studium wusste ich, was Fast Fashion bedeutet und auch was es anrichtet. Ich hatte keine Lust diesen Konsum nun auch noch weiter anzukurbeln. Ich wollte nicht diejenige sein, die andere Mädels dazu animiert sich das 20. Paar Sandalen für den Sommer zu kaufen, nur weil ich sage, dass auch dieses Paar wieder super schön aussieht.

Klar hätte ich den Blog auch Green Fashion mäßig ausrichten können. Aber das ganze Thema Mode hatte für mich durch diese intensive Auseinandersetzung auf dem Blog einfach seinen Reiz verloren. Was ich by the way niemals im Leben für möglich gehalten hätte. Plötzlich empfand ich es als viel angenehmer, wenn sich das Thema Mode zukünftig nur noch auf meinen eigenen Kleiderschrank beschränkte.

Ausprobieren = Aha-Momente

Hätte ich nun also nicht diesen Modeblog gestartet, würde ich jetzt vielleicht meinem „vernünftigen“ Job nachgehen und jedes Mal, wenn dieser mich dann anödet, denken: Hach, würde ich doch jetzt bloß was mit Mode machen, dann wäre alles so viel besser. Ohne es ausprobiert zu haben, hätte ich wahrscheinlich bis heute angenommen, dass Mode meine wahre Bestimmung sei.

So banal das auch klingt, jeder noch so kleine Schritt beschert dir am Ende unglaublich wichtige Einsichten, Aha-Momente und ganz neue Ideen, auf die du niemals gekommen wärst, wenn du es nicht etwas Neues ausprobiert hättest.

Selbst wenn du also etwas ausprobierst, was sich am Ende als nicht dein Ding herausstellt, bist du damit einen Schritt weitergekommen. Mir persönlich hilft es mittlerweile mich beim Ausprobieren neuer Dinge nicht auf das Endergebnis zu fokussieren, sondern mich stattdessen auf die Zufälle, neuen Ideen und Einsichten zu freuen, die sich während des Prozesses ergeben. Denn während man sich das Endergebnis bereits einigermaßen ausmalen kann, weiß man doch überhaupt nicht, welch ungeahnte Möglichkeiten sich auf dem Weg dorthin noch ergeben werden.

Photo by Jason Leung on Unsplash